Tag 11 – Mara bekommt ein Endurojacket
Unser heutiges Tagesziel ist es, vom COL ARES über 3 Pässe nach TARASCON-SUR-ARIEGE zu fahren. Wir frühstücken, landen unser Gepäck auf was wegen der engen Stiege runter vom 2. Stock ziemlich anstrengend ist, und fahren den Berg genauso wieder hinunter wie wir gestern hinaufgefahren sind. Lt. Atlans Wertung beginnt sehr bald ein erstes „Gustostückerl“ – der COL DE MENTE. Die Straße ist breit, perfekt asphaltiert, wenig Verkehr und windet sich in vielen Kurven und Kehren von 500m steil hinauf auf 1349m. Es stellt sich allerdings heraus, dass Mara mit den Spitzkehren immer noch sehr zu kämpfen hat, weshalb wir auf halber Höhe bald eine Pause machen müssen. Es geht dann auf einsamer Landstraße weiter via der D85 und der D618 hinauf zum COL DE PORTET-D´ASPET. Die Straße wartet allerdings mit ein paar Tücken auf: Sie ist etwas enger und ein Arbeitertrupp ist gerade dabei die Schlaglöcher hinauf zur Passhöhe mit Asphalt auszubügeln. Das bedeutet: Rollsplitt.
Mara, noch immer nicht in ihren Fahrkünsten gefestigt macht schließlich gleich mehrere Fehler auf einmal: In einer Kurve mit einem frischen Asphaltflicken und Rollsplitt obendrauf, verschaltet sie sich gleich 2-mal, hat am Ende aus Versehen den Leerlauf drin, kommt zu unkontrolliert zum Stillstand, verliert die Balance und fällt einfach um. Atlan hört nur noch den entsetzten Schrei im Interkom. Nachdem er die SOL ordentlich abgestellt hat, läuft er Mara zu Hilfe, welche mittlerweile aufgestanden ist und am Boden zerstört ist. Atlan versucht die auf der linken Seite liegende KIRA aufzustellen, was aber aufgrund des Leerlaufs schwierig ist, weil das Bike auf der abschüssigen Straße immer wieder wegrutscht. Glücklicherweise kommt ein Auto, dessen Fahrer sofort stehenbleibt, und uns hilft. Mara ist nichts passiert aber ihr Selbstbewusstsein hat offensichtlich einen ziemlichen Knick bekommen. Was für sie aber noch schlimmer ist: Ihre bis dahin makellos saubere Motorradjacke ist jetzt gespickt mit in Teer getränktem Rollsplitt. Den Rollsplitt kann man mit der Hand wegwischen, die Teerflecken werden wohl für immer bleiben. 2024 war Atlan in einer ähnlichen Situation, als er in NORWEGEN bei rauer See auf einer Fähre die SOL festzurren musste und dabei Hose und Jacken mit Schmiere bekleckerte. Ein danebenstehender polnischer Motorradfahrer sah den entsetzten Blick Atlans und meinte trocken: „Now it looks like an Enduro Jacket“. Atlan sieht den Teer auf Maras Jacke und meint verschmitzt: „Jetzt hast du auch ein Endurojacket“. Da muss sogar die missmutige Mara lächeln. Wir stehen mitten auf der Straße und müssen da weg. Oben auf der Passhöhe ist sicher ein Parkplatz – was sich als Trugschluss erweist. Wenige hundert Meter nach der „Umfallstelle“ fahren wir an den Straßenarbeitern vorbei, und es stellt sich heraus, dass die Passhöhe nur eine kleine Kuppe ist, wo es sofort wieder abwärts ins Tal geht. Der wenige Platz, den es dort gibt, ist von einer Radfahrergruppe okkupiert. Ergo fahren wir, ohne stehenzubleiben, weiter. Die Straße ist jetzt auch für Mara easy und wir bleiben in CASTILLON-EN-COUSERANS stehen. Dort, wo wir unsere Bikes abstellen, sind wir jedoch unerwünscht, weshalb wir SOL und KIA außer Sicht abstellen müssen. In einem typischen Landbeisl trinken wir dann einen Kaffee und werden dabei bestaunt wie das 8. Weltwunder. Da bleiben offenbar nicht allzu oft Leute stehen. 😊

Wir bleiben dann noch am COL DE PORT (1249m) stehen und genießen die herrliche Aussicht. Es gibt dort einen Schotterparkplatz und das Bike dort ordentlich abzustellen, sodaß man dann problemlos wieder weiterfahren kann ist garnicht so einfach. Teilkweise gibt es dort tief ausgewaschene Fahrrinnen, wehalb Mara beim wegfahren Atlan bitten, KIRA dorthin zu stellen, wo ihr nicht dauernd gedankenlos abgestellt Autos die Fahrt versperren.



Angekommen in TARASCON-SUR-ARIEGE verlieren wir in diesem Einbahnzirkus die Orientierung und müssen zu Fuß das Hotel suchen.

Mara ist schon ziemlich erschöpft und bittet Atlan auch ihr Bike zu holen. Atlan seinerseits ist aber auch nicht mehr so ganz frisch, ist dehydriert und hat Probleme zu den Motorrädern zurückzufinden. Im Ort findet wohl am Abend ein Volksfest statt und auf einer Bühne wird gerade die Leistungsfähigkeit der Lautsprecherboxen ausgetestet.

Atlan muss da dran vorbei und die irre Lautstärke verursacht bei ihm Kopfschmerzen und Schwindelgefühle. Die Bässe fühlen sich an wie die Druckwellen wenn man bei Artilleriefeuer direkt neben dem Geschütz steht. Das ist definitiv gesundheitsschädlich. Beide Bikes stehen dann vorm Hotel, wir haben ein Fenster mit Blick auf unsere Bikes und es gibt glücklicherweise einen Aufzug.
Wir haben heute nur noch eine Aufgabe: uns einen Supermarkt zu suchen und Getränke und Verpflegung für den nächsten Tag zu kaufen. Der Fußmarsch dorthin ist nicht sehr weit aber in der Hitze dann doch anstrengend.
Der letzte Takt des Tages ist dann das Abendessen im Hotel. Es gibt eine große Terrasse überdacht mit einem großen Sonnensegel und wir haben einen Platz am Rand in der gnadenlosen Sonne. Es dauert dann eine gefühlte Ewigkeit, bis wir den überforderten Kellner dazu bringen können das Sonnensegel so weit nach vorne zu ziehen, bis wir auch im Schatten sitzen können. Auch das Warten auf das Servieren des Menüs erfordert Langmut.



In der Nacht können wir durch das offene Fenster entfernt die Geräusche des Volksfestes hören und können sogar, wenn wir uns aus dem Fenster lehnen, einen Teil des beeindruckend langen Feuerwerks sehen. Mara geht sogar runter auf die Straße um sich das anzusehen.

unsere Tagesetappe: 131 km


