{"id":3940,"date":"2025-11-17T11:48:51","date_gmt":"2025-11-17T10:48:51","guid":{"rendered":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/?p=3940"},"modified":"2026-01-07T13:35:35","modified_gmt":"2026-01-07T12:35:35","slug":"weltreise-warum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/index.php\/2025\/11\/17\/weltreise-warum\/","title":{"rendered":"Weltreise \u2013 warum?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Atlan schreibt:<br>Als ich noch ein Jugendlicher in der Unterstufe des Gymnasiums war, hatte ich einerseits eine bemerkenswerte Geographielehrerin &#8211; sie hie\u00df Kottnik. Andererseits kristallisierte sich bei mir schon meine weitere Lebensplanung heraus.<br>Die Kottnik war eine in mehrerer Hinsicht bemerkenswerte Lehrerin. Hin und wieder kleidete sich wie eine Alt-68gerin, war in ihrer Strenge weniger gef\u00fchrchtet wie andere Professoren, war in einem erstaunlichen Ma\u00df schusselig und war in der Lage uns Geographie aus erster Hand n\u00e4her zu bringen. Vieles was sie uns lehrte wusste sie aus pers\u00f6hnlicher Erfahrung weil sie selbst dort gewesen war. Sie war durchaus in der Lage eine Schulklasse von 36 Rabauken zu disziplieren, verlor aber z.B. irgendwann ihr Notizbuch mit allen Noten, weshalb dann alle im Zeugniss eine \u201c3\u201d stehen hatten.<br>Damals, noch zu Zeiten der Sovietunion, referierte sie einmal \u00fcber Zentralasien, den Pamir, das Verganatal und \u00e4hnliches aus dieser Gegend. Sie zeigte uns ein Foto einer engen, gewundenen Schotterstra\u00dfe quer durch ein Gebirge, auf welcher sich schwere LKW-Z\u00fcge bewegten: den Pamirhighway. Der Gedanke dorthin zukommen zuckte durch meinen Kopf und blieb dort bis heute. Seit dieser Zeit sind Landkarten f\u00fcr mich ein Druckwerk, welches viel mehr als nur Geographie zeigt. Es sind vielmehr auf Papier abgebildete Tr\u00e4ume von fernen L\u00e4ndern, welche ich gerne besuchen w\u00fcrde. Wie mag es dort wohl sein? Wie mag es dort aussehen? Welche Abenteuer warten dort auf mich? Fernweh begann in mir zu keimen und h\u00e4lt mich immer fester im Griff je \u00e4lter ich werde.<br>Meinen Lebensweg sah ich bald vor mir: Matura, Bundesheer, Studium, Heirat, Kinder, Hausbau und wenn die Kinder alt genug waren, wollte ich reisen \u2013 bis ans Ende der Welt.<br>Im Alter von 14 Jahren durfte ich zum ersten Mal ein Moped steuern. Es geh\u00f6rte einem Freund von mir und war eine Art Erweckungserlebnis: Ich wollte auch eines haben. F\u00fcr meine Eltern war aber die die Vorstellung von mir auf einem motorisierten Zweirad ein Gott-sei-bei-uns. Ihre Entscheidung: \u201cAuf gar keinen Fall\u201d. Ich aber hatte bereits damals die Tendenz sehr ausdauernd meine Pl\u00e4ne und W\u00fcnsche zu verfolgen. \u00dcber mehrere Jahre hinweg sparte ich alles Geld und hatte im Alter von 19 Jahren eine recht ansehnliche Summe von 16.000 Schilling angespart. Den endg\u00fcltigen Ausschlag, dass ich unbedingt ein Motorrad haben wollte, mehr als alles Andere in meinem Leben, gab dann mein Motorradf\u00fchrerscheintraining. Ich kann heute noch auf den Meter genau angeben, wo ich auf der Strasse zwischen ELSBETHEN und OBERALM den Entschluss fasste: \u201cIch will eine Motorrad haben \u2013 unbedingt\u201d.<br>Beim Auto- und Motorradh\u00e4ndler FORD-Schmidt in der Neutorstra\u00dfe in SALZBURG stand schliesslich eine HONDA CB500 FOUR mit Bj. 1976 in der Auslage um 20.000 Schilling. Ich hatte bereits Helm und Handschuhe und dann erbarmte sich mein Vater und legte die restlichen 4.000 Schilling drauf inkl. der erstern Versicherungspr\u00e4mie. Die ersten 1.000km z\u00fcgelte ich mich enorm und fuhr sehr vorsichtig. Ich war mir der Gef\u00e4hrlichkeit schon sehr bewusst. Die CB-500 FOUR begleitete mich dann noch viele Jahre und steht heute noch als Wrack in der Tiefgarage. Auf dem Motorrad f\u00fchlte ich mich wie der K\u00f6nig der Welt.<br>Im letzten Jahr vor der Matura machte ich mehrere Ausfahrten mit einem Schulkollegen und Freund. Er hatte sich eine Kiste voller Teile gekauft, welche am Ende eine kleine 350ger DUCATI ergaben. Als wir uns nach den Ferien in der 8. Klasse wieder trafen schw\u00e4rmte er mir vor, wie es war durch die DOLOMITEN zu fahren und wieviele Spitzkehren es am Joch PORDOI gab. Das wollte ich unbedingt auch haben, konnte mir aber die Seitenkoffer f\u00fcrs Gep\u00e4ck nicht leisten. So blieb dieser Traum f\u00fcr die folgenden Jahrzenhte unrealisiert. Die CB-500 schenkte mir viele sch\u00f6ne Erlebnisse aber irgendwann war sie nur noch ein Schrotthaufen und es was klar, dass ich sie niemals durch die \u00a757a-\u00dcberpr\u00fcfung bringen w\u00fcrde ohne enorm viel Geld, welches ich nicht hatte, in Reparaturen zu investieren. Als Schrott h\u00e4tte ich nur ein paar Schillinge bekommen also entschied ich mich sie in die Garage meiner Eltern zu stellen um sie irgendwann komplett auseinander zu nehmen und vollst\u00e4ndig als Oltimer zu restaurieren. F\u00fcr kurze Zeit hatte ich dann noch eine KAWASAKI Z750 aber die behagte mir nicht.<br>Meine Reisephantasien umfassten seine Rundreise um das Mittelmeer. Einmal linksrum und einmal rechtsrum mit dem italienischen Stiefel als Mittelpunkt. Die politische Entwicklung in den Magreb-Staaten machten mir aber klar, dass dies niemals zu realisieren w\u00e4re.<br>In den folgenden 20 Jahren unternahm ich mehrere Versuche die CB-500 auf Vordermann zu bringen und Ende Mai 2009 war es dann endlich so weit: Ich konnte endlich in die DOLOMITEN fahren und den Kurvenwahnsinn des JOCH PORDOI erleben. Bei der Abfahrt kam ich an einem Aussichtspunkt vorbei, blieb stehen und genoss die unfassbar sch\u00f6ne Sicht auf die Berge in der Umgebung. Es war der 1 Juni, der Schnee lag noch in h\u00f6heren Lagen und der Himmel war wolkenlos. Ich hatte Tr\u00e4nen in den Augen aus dreierlei Gr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ich war dankbar etwas so sch\u00f6nes sehen zu d\u00fcrfen<\/li>\n\n\n\n<li>Ich war tief traurig weil ich mit Niemanden diesen Augenblick teilen konnte. Die f\u00fchrte dazu, dass ich in meinem ganzen restlichen Motorradleben, kaum noch eine Ausfahrt allein machte.<\/li>\n\n\n\n<li>Mir wurde klar, dass ich das schon viel fr\u00fcher haben h\u00e4tte k\u00f6nnen. Eine Sporttasche mit Gummiz\u00fcgen auf den R\u00fccksitz geschnallt h\u00e4tte es auch getan.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die CB-500 war aber noch nicht fertig und so f\u00fchrte ich die restlichen Reparaturen aus um im Jahr 2010 das Bike zu einer auf Oldtimermotorr\u00e4der spezialisierten Werkstatt zu geben um saie vollst\u00e4ndig durchchecken zu lassen und die Reifen zu wechseln. Schwesterherz fuhr mit ihrer Tochter jeden Sommer nach PESCHICI am Sporn von ITALIEN um dort zu campen und lud mich ein es ihr Gleich zu tun. Mein Sohn solle ebenfalls mitkommen. Lange Geschichte kurze erz\u00e4hlt: Die Werkstatt hatte bei Reifenwechsel einen schweren Fehler gemacht und ich hatte mit Schwesterherz am R\u00fccksitz am 28. August 2010 gegen ca. 14:00 Uhr 2km vor SAN GIOVANNI ROTONDO eine Reifenplatzer vorne bei 60 km\/h. Ich landete im dortigen Krankenhaus und lag dort 3 Wochen im Koma. Wieder zuhause drohte mir meine ganze Familie schreckliches an, sollte ich je wieder auf ein Motorrad steigen. Bis auf eine gro\u00dfe Narbe am Bauch gesundete ich gl\u00fccklicherweise vollst\u00e4ndig was im Jahr 2015, als ich im Zuge einer Reise wieder bei SAN GIOVANNI ROTONDO vorbeikam den behandelnden Primararzt mit dem melodischen Namen Dottore Eduardo DiLauro, zur \u00c4usserung verleitete \u201cIts a wonder!\u201d.<br>Ich lernte dann im Jahr 2011 eine entz\u00fcckende Frau kennen, mit der ich dann eine l\u00e4ngere Partnerschaft hatte die aber dann leider in die Br\u00fcche ging. Ich erz\u00e4hlte ihr von meinen Tr\u00e4umen und sie meinte, dass sie vor langer Zeit einmal als Beifahrerin mitgefahren w\u00e4re und es ihr sehr gefallen h\u00e4tte.<br>Wir verabredeten uns deshalb, ein Motorrad auszuleihen und zu den 3 Zinnen nach S\u00dcDTIROL zu fahren. Wir unternahmen diese 4-t\u00e4gige Reise mit einer ausgeliehenen HONDA GOLDWING und es war eine Art Urknall des Motorradreisens. Besuche von Reisefestvals, einschl\u00e4gige Dokumentationen und Videos von Reisen in ferne L\u00e4nder und das Lesen von B\u00fcchern geschrieben von Leuten, die solche Reisen schon unternommen hatten taten dann ihr \u00fcbriges. Im Herbst 2011 kauften wir eine HONDA-TRANSALP 700 XL. Herausragende Eigenschaft war, dass wir beiden darauf gut und bequem sitzen konnten. Die Familie reduzierte ihre Drohung resignierend auf die Forderung, dass ich niemals wieder auf ein altes Bike steigen d\u00fcrfte. Das nahm ich mir zu Herzen und fahre seit damals nur noch up-2-date Technik.<br>Im sp\u00e4ten Fr\u00fchjahr 2012 unternahmen meine Freundin und ich dann zuerst eine 1-w\u00f6chige Reise durch \u00d6STERREICH und im Sommer dann eine 2,5 w\u00f6chige Reise durch \u00d6STERREICH und S\u00dcDTIROL. Danach schlug ich etwas vor, was unerh\u00f6rt klang: Eine 1-monatige Reise \u00fcber die ROUTES-GRANDES-ALPES und angrenzende Gebiete im Jahr 2013 quer durch ITALIEN, FRANKREICH, SCHWEIZ, LICHTENSTEIN und dann zur\u00fcck nach \u00d6STERREICH. Der Unglauben, dass sowas \u00fcberhaupt machbar w\u00e4re war gro\u00df aber schlussendlich wurde es einer der sch\u00f6nsten Reisen meines Lebens. Der Urlaub der n\u00e4chsten Jahre war daraufhin vorgezeichnet: Wir trieben uns auf der TRANSALP (Spitzname TRANSE) in ganz EUROPA herum und es war jedes Jahr ein unfassbar sch\u00f6nes Erlebnis. F\u00fcr mich war klar: Diese Reisen sind nur das Preludium f\u00fcr eine Weltreise mit dem Motorrad.<br>Auf der R\u00fcckreise von den PYREN\u00c4EN 2017 fuhren wir einmal in FRANKREICH auf einer breit ausgebauten Strasse hinter einer Kolonne von LKWs her. Der Diesel-Skandal war in aller Munde und wir bekamen das Problem gerade in unseren Lungen zu sp\u00fcren. Wenn es m\u00f6glich war \u00fcberholte ich, aber mit all dem Gep\u00e4ck und 2 Personen musste ich die arme TRANSALP in einem niedrigen Gang beinahe bis zum Brennschluss auf \u00fcber 7000UpM hochdrehen um auch nur einen einzigen LKW \u00fcberholen zu k\u00f6nnen. Wir brauchten mehr Power! 2018 probierten wir eine BMW 1200 GS aus, aber der Motor war mir viel zu ruppig. Als ich 2019 die BMW R1250GS Adventure testen durfte wusste ich bereits nach 200m Fahrt: \u201cDie ist es\u201d. Unter Mithilfe der Ehefrau eines Freundes konnte ich dann einen erheblichen Rabatt bekommen und kaufte im Sp\u00e4tsommer 2019 das Bike, welches sp\u00e4ter auf den Namen SOL getauft wurde. Als es geliefert wurde waren wir gerade auf KORSIKA. Ich durfte die SOL 6 Monate \u00fcber den Winter nicht benutzen und dann kam die COVID-Pandemie wo alle Anmeldeb\u00fcros geschlossen waren. Ich nahm mir im Mai 2020 ein Wechselkennzeichen und fahre seitdem mit der SOL auf l\u00e4ngeren Strecken und mit der TRANSALP in WIEN und Umgebung. Mittlerweile (September 2025) hat die TRANSALP 113000 km auf dem Buckel und f\u00e4hrt immer noch einwandfrei.<br>2022 lernte ich dann Mara kennen. Wir unterhielten uns seine Weile und als ich ihr von meinen Weltreisepl\u00e4nen erz\u00e4hlte meinte sie ohne nachzudenken in voller Inbrunst: \u201cDa will ich mitfahren\u201d. Mich durchzuckte es wie ein Blitz: \u201cDas ist mein M\u00e4dchen!\u201d. Auf einer Reise durch FRANKREICH fragte ich dann sch\u00fcchtern, ob, f\u00fcr den theoretischen Fall, dass sie tats\u00e4chlich mitkommen w\u00fcrde, sie auf der SOL als Beifahrerin mitfahren w\u00fcrde oder ein eigenes Bike benutzen w\u00fcrde. Ohne nachzudenken meinte sie \u201cMit einem eigenen Motorrad\u201d. Damit hatte sie allerdings 2 Probleme: Sie hatte kein Bike und besahs zwar einen F\u00fchrerschein seit sie 18 war, hatte aber nach ihrer F\u00fchrerscheinpr\u00fcfung nie wieder ein Motorrad gesteuert. Beides lies sich mit Geld und viel Geduld korrigieren.<br>Im Jahr 2024 sollte eine Motorradrerise ans NORDKAP eine Art Generalprobe werden aber kurz vor der Abfahrt beschlossen wir, doch nicht mit 2 Motorr\u00e4dern zu fahren, da Mara mit ihren Fahrk\u00fcnsten einfach noch nicht so weit war.<br>Im Jahr 2025 hatte wir dann alle Ausr\u00fcstung beisammen und testeten diese auf einer 3-w\u00f6chigen Reise durch die PYREN\u00c4EN.<br>Um meine Motivation in einem Satz zusammenzufassen: Ich geniese es mit dem Motorrad fremde L\u00e4nder zu erkunden und es ist die einzige M\u00f6glichkeit in meinem Leben alle Wunder dieser Welt zu besuchen.<br>Als ich Mara fragte warum sie die Reise machen will, f\u00fchrte das zun\u00e4chst zu einem Nachdenkprozess. Dann meinte sie, dass sie ohne mich niemals auf die Idee gekommen w\u00e4re aber insgesamt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Neugier auf die Ferne<\/li>\n\n\n\n<li>Es ist ein Schritt in ihrer Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung auf den sie sich mit einem aktiven \u201cJA\u201d einl\u00e4sst<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Abenteuerlust, welche sich nur selten zu zeigen getraut<br>Weil es gerade passt \u2013 weil es das Beste ist, was sie in diesem Lebenabschnitt machen kann. Das Alter, die finanzielle Situation, die Gesundheit, die berufliche Situation usw. erlauben das und es ist das Beste was sie daraus machen kann. Etwas Besseres w\u00fcrde ihr nicht einfallen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-not-stacked-on-mobile is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Atlan schreibt:Als ich noch ein Jugendlicher in der Unterstufe des Gymnasiums war, hatte ich einerseits eine bemerkenswerte Geographielehrerin &#8211; sie hie\u00df Kottnik. Andererseits kristallisierte sich bei mir schon meine weitere Lebensplanung heraus.Die Kottnik war eine in mehrerer Hinsicht bemerkenswerte Lehrerin. Hin und wieder kleidete sich wie eine Alt-68gerin, war in ihrer Strenge weniger gef\u00fchrchtet wie andere Professoren, war in einem erstaunlichen Ma\u00df schusselig und war in der Lage uns Geographie aus erster Hand n\u00e4her zu bringen. Vieles was sie uns lehrte wusste sie aus pers\u00f6hnlicher Erfahrung weil sie selbst dort gewesen war. Sie war durchaus in der Lage eine Schulklasse von 36 Rabauken zu disziplieren, verlor aber z.B. irgendwann ihr Notizbuch mit allen Noten, weshalb dann alle im Zeugniss eine \u201c3\u201d stehen hatten.Damals, noch zu Zeiten der Sovietunion, referierte sie einmal \u00fcber Zentralasien, den Pamir, das Verganatal und \u00e4hnliches aus dieser Gegend. Sie zeigte uns ein Foto einer engen, gewundenen Schotterstra\u00dfe quer durch ein Gebirge, auf welcher sich schwere LKW-Z\u00fcge bewegten: den Pamirhighway. Der Gedanke dorthin zukommen zuckte durch meinen Kopf und blieb dort bis heute. Seit dieser Zeit sind Landkarten f\u00fcr mich ein Druckwerk, welches viel mehr als nur Geographie zeigt. Es sind vielmehr auf Papier abgebildete Tr\u00e4ume von fernen L\u00e4ndern, welche ich gerne besuchen w\u00fcrde. Wie mag es dort wohl sein? Wie mag es dort aussehen? Welche Abenteuer warten dort auf mich? Fernweh begann in mir zu keimen und h\u00e4lt mich immer fester im Griff je \u00e4lter ich werde.Meinen Lebensweg sah ich bald vor mir: Matura, Bundesheer, Studium, Heirat, Kinder, Hausbau und wenn die Kinder alt genug waren, wollte ich reisen \u2013 bis ans Ende der Welt.Im Alter von 14 Jahren durfte ich zum ersten Mal ein Moped steuern. Es geh\u00f6rte einem Freund von mir und war eine Art Erweckungserlebnis: Ich wollte auch eines haben. F\u00fcr meine Eltern war aber die die Vorstellung von mir auf einem motorisierten Zweirad ein Gott-sei-bei-uns. Ihre Entscheidung: \u201cAuf gar keinen Fall\u201d. Ich aber hatte bereits damals die Tendenz sehr ausdauernd meine Pl\u00e4ne und W\u00fcnsche zu verfolgen. \u00dcber mehrere Jahre hinweg sparte ich alles Geld und hatte im Alter von 19 Jahren eine recht ansehnliche Summe von 16.000 Schilling angespart. Den endg\u00fcltigen Ausschlag, dass ich unbedingt ein Motorrad haben wollte, mehr als alles Andere in meinem Leben, gab dann mein Motorradf\u00fchrerscheintraining. Ich kann heute noch auf den Meter genau angeben, wo ich auf der Strasse zwischen ELSBETHEN und OBERALM den Entschluss fasste: \u201cIch will eine Motorrad haben \u2013 unbedingt\u201d.Beim Auto- und Motorradh\u00e4ndler FORD-Schmidt in der Neutorstra\u00dfe in SALZBURG stand schliesslich eine HONDA CB500 FOUR mit Bj. 1976 in der Auslage um 20.000 Schilling. Ich hatte bereits Helm und Handschuhe und dann erbarmte sich mein Vater und legte die restlichen 4.000 Schilling drauf inkl. der erstern Versicherungspr\u00e4mie. Die ersten 1.000km z\u00fcgelte ich mich enorm und fuhr sehr vorsichtig. Ich war mir der Gef\u00e4hrlichkeit schon sehr bewusst. Die CB-500 FOUR begleitete mich dann noch viele Jahre und steht heute noch als Wrack in der Tiefgarage. Auf dem Motorrad f\u00fchlte ich mich wie der K\u00f6nig der Welt.Im letzten Jahr vor der Matura machte ich mehrere Ausfahrten mit einem Schulkollegen und Freund. Er hatte sich eine Kiste voller Teile gekauft, welche am Ende eine kleine 350ger DUCATI ergaben. Als wir uns nach den Ferien in der 8. Klasse wieder trafen schw\u00e4rmte er mir vor, wie es war durch die DOLOMITEN zu fahren und wieviele Spitzkehren es am Joch PORDOI gab. Das wollte ich unbedingt auch haben, konnte mir aber die Seitenkoffer f\u00fcrs Gep\u00e4ck nicht leisten. So blieb dieser Traum f\u00fcr die folgenden Jahrzenhte unrealisiert. Die CB-500 schenkte mir viele sch\u00f6ne Erlebnisse aber irgendwann war sie nur noch ein Schrotthaufen und es was klar, dass ich sie niemals durch die \u00a757a-\u00dcberpr\u00fcfung bringen w\u00fcrde ohne enorm viel Geld, welches ich nicht hatte, in Reparaturen zu investieren. Als Schrott h\u00e4tte ich nur ein paar Schillinge bekommen also entschied ich mich sie in die Garage meiner Eltern zu stellen um sie irgendwann komplett auseinander zu nehmen und vollst\u00e4ndig als Oltimer zu restaurieren. F\u00fcr kurze Zeit hatte ich dann noch eine KAWASAKI Z750 aber die behagte mir nicht.Meine Reisephantasien umfassten seine Rundreise um das Mittelmeer. Einmal linksrum und einmal rechtsrum mit dem italienischen Stiefel als Mittelpunkt. Die politische Entwicklung in den Magreb-Staaten machten mir aber klar, dass dies niemals zu realisieren w\u00e4re.In den folgenden 20 Jahren unternahm ich mehrere Versuche die CB-500 auf Vordermann zu bringen und Ende Mai 2009 war es dann endlich so weit: Ich konnte endlich in die DOLOMITEN fahren und den Kurvenwahnsinn des JOCH PORDOI erleben. Bei der Abfahrt kam ich an einem Aussichtspunkt vorbei, blieb stehen und genoss die unfassbar sch\u00f6ne Sicht auf die Berge in der Umgebung. Es war der 1 Juni, der Schnee lag noch in h\u00f6heren Lagen und der Himmel war wolkenlos. Ich hatte Tr\u00e4nen in den Augen aus dreierlei Gr\u00fcnden. Die CB-500 war aber noch nicht fertig und so f\u00fchrte ich die restlichen Reparaturen aus um im Jahr 2010 das Bike zu einer auf Oldtimermotorr\u00e4der spezialisierten Werkstatt zu geben um saie vollst\u00e4ndig durchchecken zu lassen und die Reifen zu wechseln. Schwesterherz fuhr mit ihrer Tochter jeden Sommer nach PESCHICI am Sporn von ITALIEN um dort zu campen und lud mich ein es ihr Gleich zu tun. Mein Sohn solle ebenfalls mitkommen. Lange Geschichte kurze erz\u00e4hlt: Die Werkstatt hatte bei Reifenwechsel einen schweren Fehler gemacht und ich hatte mit Schwesterherz am R\u00fccksitz am 28. August 2010 gegen ca. 14:00 Uhr 2km vor SAN GIOVANNI ROTONDO eine Reifenplatzer vorne bei 60 km\/h. Ich landete im dortigen Krankenhaus und lag dort 3 Wochen im Koma. Wieder zuhause drohte mir meine ganze Familie schreckliches an, sollte ich je wieder auf ein Motorrad steigen. Bis auf eine gro\u00dfe Narbe am Bauch gesundete ich gl\u00fccklicherweise vollst\u00e4ndig was im Jahr 2015, als ich im Zuge einer Reise wieder bei SAN GIOVANNI ROTONDO vorbeikam den behandelnden Primararzt mit dem melodischen Namen Dottore Eduardo DiLauro, zur \u00c4usserung verleitete \u201cIts a wonder!\u201d.Ich lernte dann im Jahr 2011 eine entz\u00fcckende Frau kennen, mit der ich dann eine l\u00e4ngere Partnerschaft hatte die aber dann leider in die Br\u00fcche ging. Ich erz\u00e4hlte ihr von meinen Tr\u00e4umen und sie meinte, dass sie vor langer Zeit einmal als Beifahrerin mitgefahren w\u00e4re und es ihr sehr gefallen h\u00e4tte.Wir verabredeten uns deshalb, ein Motorrad auszuleihen und zu den 3 Zinnen nach S\u00dcDTIROL zu fahren. Wir unternahmen diese 4-t\u00e4gige Reise mit einer ausgeliehenen HONDA GOLDWING und es war eine Art Urknall des Motorradreisens. Besuche von Reisefestvals, einschl\u00e4gige Dokumentationen und Videos von Reisen in ferne L\u00e4nder und das Lesen von B\u00fcchern geschrieben von Leuten, die solche Reisen schon unternommen hatten taten dann ihr \u00fcbriges. Im Herbst 2011 kauften wir eine HONDA-TRANSALP 700 XL. Herausragende Eigenschaft war, dass wir beiden darauf gut und bequem sitzen konnten. Die Familie reduzierte ihre Drohung resignierend auf die Forderung, dass ich niemals wieder auf ein altes Bike steigen d\u00fcrfte. Das nahm ich mir zu Herzen und fahre seit damals nur noch up-2-date Technik.Im sp\u00e4ten Fr\u00fchjahr 2012 unternahmen meine Freundin und ich dann zuerst eine 1-w\u00f6chige Reise durch \u00d6STERREICH und im Sommer dann eine 2,5 w\u00f6chige Reise durch \u00d6STERREICH und S\u00dcDTIROL. Danach schlug ich etwas vor, was unerh\u00f6rt klang: Eine 1-monatige Reise \u00fcber die ROUTES-GRANDES-ALPES und angrenzende Gebiete im Jahr 2013 quer durch ITALIEN, FRANKREICH, SCHWEIZ, LICHTENSTEIN und dann zur\u00fcck nach \u00d6STERREICH. Der Unglauben, dass sowas \u00fcberhaupt machbar w\u00e4re war gro\u00df aber schlussendlich wurde es einer der sch\u00f6nsten Reisen meines Lebens. Der Urlaub der n\u00e4chsten Jahre war daraufhin vorgezeichnet: Wir trieben uns auf der TRANSALP (Spitzname TRANSE) in ganz EUROPA herum und es war jedes Jahr ein unfassbar sch\u00f6nes Erlebnis. F\u00fcr mich war klar: Diese Reisen sind nur das Preludium f\u00fcr eine Weltreise mit dem Motorrad.Auf der R\u00fcckreise von den PYREN\u00c4EN 2017 fuhren wir einmal in FRANKREICH auf einer breit ausgebauten Strasse hinter einer Kolonne von LKWs her. Der Diesel-Skandal war in aller Munde und wir bekamen das Problem gerade in unseren Lungen zu sp\u00fcren. Wenn es m\u00f6glich war \u00fcberholte ich, aber mit all dem Gep\u00e4ck und 2 Personen musste ich die arme TRANSALP in einem niedrigen Gang beinahe bis zum Brennschluss auf \u00fcber 7000UpM hochdrehen um auch nur einen einzigen LKW \u00fcberholen zu k\u00f6nnen. Wir brauchten mehr Power! 2018 probierten wir eine BMW 1200 GS aus, aber der Motor war mir viel zu ruppig. Als ich 2019 die BMW R1250GS Adventure testen durfte wusste ich bereits nach 200m Fahrt: \u201cDie ist es\u201d. Unter Mithilfe der Ehefrau eines Freundes konnte ich dann einen erheblichen Rabatt bekommen und kaufte im Sp\u00e4tsommer 2019 das Bike, welches sp\u00e4ter auf den Namen SOL getauft wurde. Als es geliefert wurde waren wir gerade auf KORSIKA. Ich durfte die SOL 6 Monate \u00fcber den Winter nicht benutzen und dann kam die COVID-Pandemie wo alle Anmeldeb\u00fcros geschlossen waren. Ich nahm mir im Mai 2020 ein Wechselkennzeichen und fahre seitdem mit der SOL auf l\u00e4ngeren Strecken und mit der TRANSALP in WIEN und Umgebung. Mittlerweile (September 2025) hat die TRANSALP 113000 km auf dem Buckel und f\u00e4hrt immer noch einwandfrei.2022 lernte ich dann Mara kennen. Wir unterhielten uns seine Weile und als ich ihr von meinen Weltreisepl\u00e4nen erz\u00e4hlte meinte sie ohne nachzudenken in voller Inbrunst: \u201cDa will ich mitfahren\u201d. Mich durchzuckte es wie ein Blitz: \u201cDas ist mein M\u00e4dchen!\u201d. Auf einer Reise durch FRANKREICH fragte ich dann sch\u00fcchtern, ob, f\u00fcr den theoretischen Fall, dass sie tats\u00e4chlich mitkommen w\u00fcrde, sie auf der SOL als Beifahrerin mitfahren w\u00fcrde oder ein eigenes Bike benutzen w\u00fcrde. Ohne nachzudenken meinte sie \u201cMit einem eigenen Motorrad\u201d. Damit hatte sie allerdings 2 Probleme: Sie hatte kein Bike und besahs zwar einen F\u00fchrerschein seit sie 18 war, hatte aber nach ihrer F\u00fchrerscheinpr\u00fcfung nie wieder ein Motorrad gesteuert. Beides lies sich mit Geld und viel Geduld korrigieren.Im Jahr 2024 sollte eine Motorradrerise ans NORDKAP eine Art Generalprobe werden aber kurz vor der Abfahrt beschlossen wir, doch nicht mit 2 Motorr\u00e4dern zu fahren, da Mara mit ihren Fahrk\u00fcnsten einfach noch nicht so weit war.Im Jahr 2025 hatte wir dann alle Ausr\u00fcstung beisammen und testeten diese auf einer 3-w\u00f6chigen Reise durch die PYREN\u00c4EN.Um meine Motivation in einem Satz zusammenzufassen: Ich geniese es mit dem Motorrad fremde L\u00e4nder zu erkunden und es ist die einzige M\u00f6glichkeit in meinem Leben alle Wunder dieser Welt zu besuchen.Als ich Mara fragte warum sie die Reise machen will, f\u00fchrte das zun\u00e4chst zu einem Nachdenkprozess. Dann meinte sie, dass sie ohne mich niemals auf die Idee gekommen w\u00e4re aber insgesamt:<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[244],"tags":[],"class_list":["post-3940","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weltreise"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3940","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3940"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3940\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3943,"href":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3940\/revisions\/3943"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3940"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3940"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3940"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}