{"id":1506,"date":"2022-08-06T16:22:05","date_gmt":"2022-08-06T14:22:05","guid":{"rendered":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/?p=1506"},"modified":"2025-06-11T13:38:19","modified_gmt":"2025-06-11T11:38:19","slug":"tag-23-samstag-6-august-2022-colle-finestre-und-die-assietta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/motorradjedi.reisen\/index.php\/2022\/08\/06\/tag-23-samstag-6-august-2022-colle-finestre-und-die-assietta\/","title":{"rendered":"Tag 23 &#8211; COLLE FINESTRE und die ASSIETTA"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-not-stacked-on-mobile is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Schilderung Atlan<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist ein gro\u00dfer Tag: Wir befahren die ASSIETTA-Kammstra\u00dfe. Dies ist eines der Kernst\u00fccke unserer Reise. Zumindest f\u00fcr mich und ich habe mich so gut es nur irgend ging darauf vorbereitet. Als ich 2013 die ASSIETTA abgefahren bin, hatte ich die Herausforderung vollst\u00e4ndig untersch\u00e4tzt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ich war viel zu sp\u00e4t am Tag unterwegs, da ich vorher noch den COL CENIS besucht hatte.<\/li>\n\n\n\n<li>Ich hatte normale Stra\u00dfenreifen drauf<\/li>\n\n\n\n<li>Ich hatte viel zu wenig Motorraderfahrung<\/li>\n\n\n\n<li>Die Federung der TRANSALP, jenem Motorrad, mit dem ich damals unterwegs war, war f\u00fcr 2 Personen (Annemarie und ich) und f\u00fcr so eine Stra\u00dfe schlicht ungeeignet.<\/li>\n\n\n\n<li>Ich kannte diesen Dirttrack nicht \u2013 ich wusste nur dass es ihn gibt, wo er ist und dass ich ihn befahren will.<\/li>\n\n\n\n<li>Es war stark bew\u00f6lkt. Die wundersch\u00f6nen Aussichten, f\u00fcr welche die ASSIETTA ber\u00fchmt ist konnten wir deshalb gar nicht sehen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ich bin deshalb 2013 auch 3x auf der Stra\u00dfe gest\u00fcrzt und einmal sah es f\u00fcr kurze Zeit sogar aus, als ob wir um 19:00 Uhr am Abend auf 2400 Meter H\u00f6he festsitzen w\u00fcrden, weil der Motor f\u00fcr ein paar Minuten nicht mehr ansprang. Als wir es dann doch nach SESTRIERE runtergeschafft haben, war ich damals noch nie so gl\u00fccklich wieder auf Asphalt fahren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist die Situation eine ganz andere:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ich wei\u00df worauf ich mich da einlasse<\/li>\n\n\n\n<li>Ich habe schon in \u00d6sterreich offroadf\u00e4hige Reifen aufgezogen<\/li>\n\n\n\n<li>Ich fahre das modernste Motorrad, welches derzeit \u00fcberhaupt am Weltmarkt zu haben ist und welches konstruiert wurde auch solche Stra\u00dfen problemlos wegstecken zu k\u00f6nnen.<\/li>\n\n\n\n<li>Heute hat es wolkenlosen Himmel<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Was macht die ASSIETTA Kammstra\u00dfe so bemerkenswert?<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ist eine Schotterstra\u00dfe weit oberhalb der Baumgrenze von 34 km L\u00e4nge und wurde lange vor dem 1. WK gebaut. Sie hat zwar eine offizielle, italienische Stra\u00dfennummer, SP173, wird aber nur wenig gewartet. Sie startet am COLLE DEL FINESTRE und geht entlang des Bergkammes vorbei an 5 Gipfeln:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>COLLE DEL ASSIETTA der auch der Namensgeber ist<\/li>\n\n\n\n<li>COLLE LAUSON<\/li>\n\n\n\n<li>COLLE BELGIER<\/li>\n\n\n\n<li>COLLE BOURGET<\/li>\n\n\n\n<li>COLLE BASSET<\/li>\n\n\n\n<li>\u2026und endet nur wenig entfernt vom COLLE DI SESTRIERE<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die Stra\u00dfe bewegt sich konstant in H\u00f6hen oberhalb von 2000m. Ihre h\u00f6chste Stelle ist 2545m und die h\u00f6chste Steigung liegt bei ca. 15% in der N\u00e4he des MONTE GENEVRIS. Hier oben, wo sich die Vegetation auf nur noch einige wenige, besonders hartn\u00e4ckige Gr\u00e4ser reduziert, kann man abwechselnde Richtung rechts oder links mehr als 1,5 Kilometer ins Tal hinuntersehen. Manchmal sogar gleichzeitig. Ein unvergesslicher Anblick wie es ihn nur selten auf der Welt gibt. Unter Enduro Fahrern ist diese Stra\u00dfe legend\u00e4r. Das DENZEL-Rating der ASSIETTA ist 3 \u2013 4 wobei 4 bedeutet: \u201eWeit \u00fcberdurchschnittliche Fahrkenntnisse\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Mara und ich fahren heute ohne Gep\u00e4ck und haben auch das Topcase so weit ausger\u00e4umt, dass nur noch das gesetzlich Notwendige drin ist sowie Werkzeug und Ersatzteile f\u00fcr eventuelle Pannen. Wir sind ergo leicht und schlank unterwegs. Nach einem ausgiebigen Fr\u00fchst\u00fcck geht\u2019s zun\u00e4chst \u00fcber die breite Stra\u00dfe des COL MONTGENEVRE hin\u00fcber nach ITALIEN. W\u00e4hrend der Fahrt kann Mara endlich Festung Nr. 4 und 5 rund um BRIANCON entdecken. Bei der \u00dcberquerung des MONTGENEVRE fahren wir durch den neuen Tunnel, weil ich um einen Augenblick zu sp\u00e4t die Abzweigung auf die alte Bundesstra\u00dfe verpasse. Schade \u2013 aber macht nix. Danach verirren wir uns gleich 2x. Zun\u00e4chst geraten wir irrt\u00fcmlicherweise auf die Autobahn nach BARDONCCHIA. Als wir von dort zur\u00fcck sind, gebe ich ins Navi als Zielort SESTRIERE ein woraufhin uns das Navi den Berg hinauf nach OULX f\u00fchrt. Sp\u00e4ter kann ich erkennen warum: Es gibt eine Schotterstra\u00dfe als Querverbindung zw. OULX und SESTRIERE. Wir fahren den Berg wieder hinunter und ich folge meiner Erinnerung. An einer Ausweiche bleiben wir stehen und orientieren uns nochmals auf der Karte, wobei wir erkennen, dass die Auffahrt zum FINESTRE noch dutzende Kilometer vor uns liegt. Da wir durch die Herumirrerei schon mind. 1 Stunde Zeit verloren haben wollen wir die Autobahn ins Zielgebiet nehmen. Mara lenkt mich (sie ist der Kapit\u00e4n!) aber nicht auf die mautpflichtige, schnelle Autobahn, sondern auf die Bundestra\u00dfe und so zockeln wir auf einer engen, sch\u00f6nen Stra\u00dfe mit wenig \u00dcberholm\u00f6glichkeiten ein wenig im Verkehr dahin bis wir endlich SUSA erreichen. Ich muss zugeben, dass ich da dann schon etwas Ungeduld in mir sp\u00fcrte. Endlich in SUSA sehen wir den Wegweiser hinauf zum COLLE DEL FINESTRE und eine Kurvenorgie der besonderen Art beginnt. Die untere H\u00e4lfte der Stra\u00dfe zur Passh\u00f6he ist asphaltiert, die obere eine ungepflegte Schotterstra\u00dfe mit z.T. tiefen Fahrrinnen und grobem Schotter. Die Stra\u00dfe ist kaum eine Autobreite breit und ich w\u00fcsste nicht, wie da 2 einander entgegenkommende Autos sich passieren k\u00f6nnten. Bei einer Fahrbahnbreite von lediglich 2,5 Meter haben ja schon 2 Motorr\u00e4der kaum Platz. Gl\u00fccklicherweise haben wir \u00fcberhaupt keinen Gegenverkehr und als weiter oben ein Auto vor uns von einem Parkplatz auf die Stra\u00dfe einbiegt l\u00e4sst es uns bald passieren. Die Spitzkehren sind so eng, dass ich beinahe den gesamten Lenkeinschlag benutzen muss, um die Kurve hinzukriegen. Mara ist voll bei der Sache und ich sp\u00fcre sie kaum. Tolle Beifahrerin! Als wir schon ca. \u00be der Passstra\u00dfe hinter uns haben, machen wir mal Pause und trinken etwas aus unseren Vorr\u00e4ten. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_4-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3034\" srcset=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_4-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_4-300x225.jpg 300w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_4-768x576.jpg 768w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_4-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_4-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Mein Puls ist bei 180, Mara erscheint sehr entspannt. Lange bevor man die Passh\u00f6he erreicht, kann man sie sehen und auch die spektakul\u00e4re Stra\u00dfenf\u00fchrung hinauf.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_6-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3036\" srcset=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_6-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_6-300x225.jpg 300w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_6-768x576.jpg 768w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_6-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_6-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Oben angekommen ist kaum Platz zum Parken, da viele Besucher von der anderen Seite her angefahren kommen. Interessanterweise ist die Stra\u00dfe hinauf zum Pass aufseiten SESTRIERE bis zur Passh\u00f6he sch\u00f6n asphaltiert. Wir g\u00f6nnen uns erstmal eine Pause und ich komme mit ein paar anderen Motorradfahrern ins Gespr\u00e4ch: Es sind Brasilianer auf gemieteten KTMs. BRASILIEN ist ein sehr flaches Land und ich bezweifle ob diese Leute die entsprechende Erfahrung haben und Richtung SUSA runterzufahren. Eine enge, steile Strecke hinunterzufahren ist sehr viel einfacher aus hinaufzufahren aber trotzdem. Eine Brasilianerin kann gut Englisch und \u00fcbersetzt f\u00fcr die restliche Gruppe. Ich gebe Infos so gut ich kann und warne sie vor den engen Kurven und dem groben Schotter. Sie sind trotzdem runtergefahren. Es w\u00e4re interessant zu wissen, wie es denen dabei ergangen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich selbst pr\u00e4pariere nun die SOL f\u00fcr das, was kommt denn der FINESTRE war sozusagen nur die Aufw\u00e4rmrunde:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Tractioncontrol auf Enduro-Mode<\/li>\n\n\n\n<li>Federung auf Dynamik<\/li>\n\n\n\n<li>Motorcharakteristik auf Enduro<\/li>\n\n\n\n<li>Federwege auf Automatik<\/li>\n\n\n\n<li>Luftdruck des Vorderrads von 2,6 Bar runter auf 1,8 Bar<\/li>\n\n\n\n<li>Luftdruck des Hinterrades von 3,0 Bar auf 2 Bar<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ich packe also alles aus was ich wei\u00df um mich bestm\u00f6glich auf das, was kommt vorzubereiten. Als wir losfahren, wird sofort eine un\u00fcbersehbare, rote Warnung vom Bordcomputer eingeblendet, dass der Reifendruck gef\u00e4hrlich niedrig ist. Um sicher zu sein, dass es hier keine Folgeprobleme gibt, lasse ich mir ab sofort den Reifendruck anzeigen. Ich wei\u00df, dass die ASSIETTA insges. 34 km lang ist. Wir merken uns den Gesamtkilometerstand und k\u00f6nnen so dann errechnen, wie weit wir schon gekommen sind. Die ASSIETTA ist auf ihrer ganzen L\u00e4nge eine Schotterstra\u00dfe und der Anfang der ASSIETTA ist auch gut gepflegt. Wir k\u00f6nnen sogar einen abgestellten Bagger sehen, der daf\u00fcr verwendet wird. Sp\u00e4ter jedoch verwandelt sich die ASSIETTA in jenes Bachbett, welches ich noch von 2013 in Erinnerung habe. Manchmal verdient sie eigentlich gar nicht mehr \u201eStra\u00dfe\u201c genannt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"472\" src=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_2-1024x472.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3032\" srcset=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_2-1024x472.jpg 1024w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_2-300x138.jpg 300w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_2-768x354.jpg 768w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_2-1536x709.jpg 1536w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_2-2048x945.jpg 2048w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_2-1140x526.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die SOL ist gro\u00dfartig. Wir tuckern den Berg hinauf und sind bald auf H\u00f6hen von weit \u00fcber 2000m. Nur ein paar Radfahrer und Wanderer regen sich auf, dass wir hier fahren. Das ist eine offizielle Stra\u00dfe also darf ich hier auch fahren \u2013 glaube ich zumindest. In einer Spitzkehre bleiben ein paar entgegenkommende Radfahrer in der Kehre stehen, um mir Platz zu machen um an ihnen vorbeifahren zu k\u00f6nnen. Fluchend schaffe ich das auch aber warum wissen die Leute nicht, dass der ung\u00fcnstigste Platz jemanden vorbeifahren zu lassen eben Spitzkehren sind, wo man jeden Zentimeter Platz braucht?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter erfahren wir, warum sich alle so aufgeregt haben: Am COLLE ASSIETTA blockiert ein W\u00e4chter des Naturschutzparks die Stra\u00dfe und will meinen Ausweis sehen. Ich stehe aber derart ungl\u00fccklich, dass ich alles daransetzen muss, nicht mit dem Motorrad umzufallen. Ich versuche ergo klarzumachen, dass der Polizist alles kriegt, was er haben will, nur muss ich zuerst das Bike besser abstellen, denn da wo ich bin, geht das nicht. Der Polizist versteht das nicht und zieht kurzerhand meinen Z\u00fcndschl\u00fcssel ab. Erst als Mara ihm ihren Pass gibt ist er zufrieden, ich bekomme meinen Schl\u00fcssel zur\u00fcck und kann am ganzen K\u00f6rper zitternd vor Wut und Hilflosigkeit die SOL gut parken. Dann kann ich ohne Probleme in meine Tasche greifen und ihm Zulassung und F\u00fchrerschein \u00fcberreichen. Der Nationalparkw\u00e4chter teilt mir dann in gebrochenen Englisch und mit viel Handzeichen mit, dass die \u00fcbliche Reaktion anderer Motorradfahrer ist, einfach durchzustarten und zu verschwinden. Dass hat er mit dem Abzug des Schl\u00fcssels verhindern wollen. Er macht uns auch klar, dass an jedem Mittwoch und Samstag die ASSIETTA f\u00fcr den motorisierten Verkehr gesperrt ist. Heute ist Samstag. Mara und ich sind mittlerweile so aus der Zeit gefallen, dass wir nicht einmal den Wochentag wissen. Den erfahre ich erst auf Nachfragen. Neben uns steht ein anderes, italienische P\u00e4rchen, welches ebenfalls \u201eamtsbehandelt\u201c wird und irgendwann seine Fahrt fortsetzen darf. Ich kann beobachten, dass die beiden Nationalparkw\u00e4chter in ihrem Wagen eine gef\u00fchlte halbe Stunde mit meinen Ausweisen besch\u00e4ftigt sind. Hier heroben gibt es eine Handyverbindung. Was machen die die ganze Zeit? Mara und ich sehen uns die unglaublich sch\u00f6ne Umgebung an und genie\u00dfen die Sicht in die Ferne. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"472\" src=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_3-1024x472.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3033\" srcset=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_3-1024x472.jpg 1024w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_3-300x138.jpg 300w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_3-768x354.jpg 768w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_3-1536x709.jpg 1536w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_3-2048x945.jpg 2048w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_3-1140x526.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_8-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3038\" srcset=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_8-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_8-300x225.jpg 300w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_8-768x576.jpg 768w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_8-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_8-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_8-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>An einem naheliegenden Hang k\u00f6nnen wir dutzende Ausg\u00e4nge von Murmeltierbauten erkennen. Schlie\u00dflich wird mir ein Strafmandat \u00fcber sage und schreibe 124 EUR ausgestellt, welches sofort zu bezahlen ist. Die Polizisten k\u00f6nnen nicht wechseln, weshalb Mara und ich aus 3 verschiedenen Geldb\u00f6rsen das Geld zusammenklauben m\u00fcssen, um den exakten Betrag zusammenzukratzen. Uns wird auch angeboten, dass einer von uns bis zum n\u00e4chsten Refugio fahren k\u00f6nnte, um dort Geld zu wechseln. Die Emotionen beruhigen sich irgendwann, wir bezahlen den Betrag, bekommen eine Best\u00e4tigung (das Strafmandat) und uns wird versichert, dass dies der Mindestbetrag sein w\u00fcrde. Der H\u00f6chstbetrag w\u00e4re 3x h\u00f6her. Dann k\u00f6nnen wir wie geplant weiterfahren. Sollten wir nochmals aufgehalten werden sollen wir das Strafmandat herzeigen und dann m\u00fcssen wir nicht nochmals zahlen. Ich finde es bemerkenswert, dass wir nicht gezwungen werden umzudrehen. Das w\u00e4re die von Mara und mir erwartete Reaktion von Polizisten in \u00d6sterreich. Angeblich g\u00e4be es bei der Auffahrt auf die ASSIETTA beim COLLE FINESTRE ein Schild, das die Fahrverbotstage anzeigen w\u00fcrde. Wir sind uns sicher, dass es dort so ein Schild nicht gibt. Sp\u00e4ter dann kann ich auf GOOGLE-STREETVIEW erkennen, dass es dieses Hinweisschild doch gibt \u2013 aber nur auf Italienisch und diese Sprache beherrschen wir einfach nicht, weshalb wir es auch \u00fcbersehen haben. Die Polizisten selbst sind aus SESTRIERE und tats\u00e4chlich: nahe SESTRIERE k\u00f6nnen wir sp\u00e4ter ein entsprechendes Hinweisschild in 4 Sprachen, darunter auch Englisch und Deutsch sehen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"977\" src=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_7a-1024x977.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3041\" srcset=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_7a-1024x977.jpg 1024w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_7a-300x286.jpg 300w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_7a-768x733.jpg 768w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_7a-1536x1466.jpg 1536w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_7a-2048x1955.jpg 2048w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_7a-1140x1088.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Mara und ich versuchen die 124 EUR als eine Art Maut geistig zu verbuchen und setzen unsere Reise fort. Die Stra\u00dfe windet sich durch die Berge und es gibt viele un\u00fcbersichtliche Kurven. Eine Stelle ist wieder so eine un\u00fcbersichtliche Kurve und ich erwarte eigentlich nur eine Art Knick in der Stra\u00dfe. Die Kurve um die Felsnase hat jedoch mehr als 90 Grad und ich bin mit einen 20 \u2013 25 km\/h schon fast zu schnell. Ich kann die Situation aber routiniert bereinigen und wir fahren unger\u00fchrt weiter. Wenig sp\u00e4ter laufen mir Schauer \u00fcber den R\u00fccken. Wenn ich das nicht geschafft h\u00e4tte, w\u00e4ren wir tief abgest\u00fcrzt und h\u00e4tten u.U. die Fahrt nicht \u00fcberlebt. Das Drehmoment der SOL ist unfassbar. Nur kurze, kleine Bewegungen des rechten Handgelenks und der Motor zieht uns \u00fcberall heraus. Die Federung ist so gut, dass wir selbst die gr\u00f6bsten \u201aSteine und Felsstufen bequem \u00fcberwinden k\u00f6nnen, ohne viel in unserer Kehrseite zu sp\u00fcren. Hier zeigt sich, dass die SOL zu den besten Motorr\u00e4dern der Welt geh\u00f6rt. Ich bin ungeheuer stolz darauf sowas ebenfalls zu besitzen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_10-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3054\" srcset=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_10-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_10-300x225.jpg 300w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_10-768x576.jpg 768w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_10-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_10-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die ganze Fahrt hindurch bin ich so konzentriert, dass ich von der Umgebung fast nichts mitbekomme. Dies ist das Privileg von Mara. Wir kommen schlie\u00dflich an einen geschlossenen Schranken und k\u00f6nnen nicht weiter. Mara, kann aber, jetzt da die SOL keine Seitenkoffer hat, absteigen, w\u00e4hrend ich noch auf der SOL sitzend das Motorrad stabil halte, den Schranken \u00f6ffnen. Dahinter machen wir Pause und k\u00f6nnen das Verbotsschild auf Seiten SESTRIERE sehen. Eine Gruppe von Radfahrern kommt vorbei und wir kommen mit denen ins Gespr\u00e4ch. Ich entschuldige mich daf\u00fcr, dass ich heute hier mit einem Motorrad unterwegs bin und ernte Verst\u00e4ndnis. Einer der Radfahrer zeigt und dann am weit entfernten Horizont einen Bergeinschnitt. Man muss genau hinsehen, sonst sieht man ihn nicht: Das ist der COLLE FINESTRE, wo wir gerade herkommen. Wow, ist das weit entfernt!<\/p>\n\n\n\n<p>Da wir uns an einer Stra\u00dfenkreuzung befinden wissen wir nicht wie es weitergeht aber wir erfahren in welche Richtung wir weiterfahren m\u00fcssen. Danach geht es rasch abw\u00e4rts und wir finden uns auf der Asphaltstra\u00dfe in SESTRIERE wieder. Ich bin ganz euphorisch: Wir haben gemeinsam die ASSIETTA ohne Sturz, Umfaller oder sonstigen Fahrproblemen meistern k\u00f6nnen. Die SOL hat keinen Kratzer abbekommen und Mara ist die beste Beifahrerin, die man sich w\u00fcnschen kann. Wir fahren dann noch 1 \u2013 2 km weiter auf einen Parkplatz, pumpen die Reifen wieder auf und fahren dann in den Ortskern von SESTRIERE, wo wir uns einen Nachmittagskaffee g\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_9-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3039\" srcset=\"https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_9-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_9-300x225.jpg 300w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_9-768x576.jpg 768w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_9-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_9-1140x855.jpg 1140w, https:\/\/motorradjedi.reisen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Frankreichtour_T23_9-rotated.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Mara sitzt ruhig da und macht einen etwas abwesenden Eindruck, w\u00e4hrend sich bei mir erst langsam das Adrenalin abbaut. Besorgt frage ich nach, ob etwas ist, aber Mara ist im Gegensatz zu mir im Ruhepuls unterwegs, weil sie mir derart auf dem Motorrad vertraut, dass sie keinerlei Aufregung oder Nervosit\u00e4t versp\u00fcrt hat, w\u00e4hrend ich meine Belastungsgrenze ausgetestet habe. So viel Vertrauen macht mich verlegen. Wie habe ich das nur verdient? In Zukunft bin ich noch vorsichtiger unterwegs, um dieses Vertrauen zu rechtfertigen und nicht durch bl\u00f6de Aktionen zu verspielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Kaffee suchen wir einen Souveniershop, weil wir Aufn\u00e4her von SESTRIERE haben wollen. Ich m\u00f6chte auch einen Aufn\u00e4her von der ASSIETTA f\u00fcr Maras Lederjacke haben. Leider k\u00f6nnen wir nirgends sowas finden. Danach geht\u2019s erstmal runter ins Tal und auf der Autobahn, diesmal richtigerweise nach BARDONICCHIA, um die Staatsgrenze nach FRANKREICH via den COL D`ECHELLE zu \u00fcberschreiten. Das Gebiet dort ist eine einzige Picknickarea. Wenn wir nicht schon so m\u00fcde gewesen w\u00e4ren, w\u00e4ren wir gerne stehen geblieben, um dort eine Rast zu machen. Eventuell werden wir eines Tages zur\u00fcckkommen, um genau das zu machen. Die Umgebung l\u00e4dt wirklich dazu ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind kurz vor 17:00 UHR wieder im Hotel was gut ist, denn dann schickt Petrus wieder einen Gru\u00df und allen die noch drau\u00dfen sind wird klar, dass sie jetzt ein Dach \u00fcber dem Kopf brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel sp\u00e4ter f\u00e4llt mir auf, dass ich kaum eine bewusste Erinnerung an die ASSIETTA habe. Wenn ich fahre, ist das wie eine Meditations\u00fcbung und konzentrierter als auf der ASSIETTA konnte ich kaum sein. Ist auch egal: Ich habe jetzt die Gewissheit, dass ich die ASSIETTA \u201ebezwingen\u201c konnte, und Mara hatte viele Wow-Erlebnisse.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-not-stacked-on-mobile is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schilderung Atlan Heute ist ein gro\u00dfer Tag: Wir befahren die ASSIETTA-Kammstra\u00dfe. Dies ist eines der Kernst\u00fccke unserer Reise. Zumindest f\u00fcr mich und ich habe mich so gut es nur irgend ging darauf vorbereitet. Als ich 2013 die ASSIETTA abgefahren bin, hatte ich die Herausforderung vollst\u00e4ndig untersch\u00e4tzt: Ich bin deshalb 2013 auch 3x auf der Stra\u00dfe gest\u00fcrzt und einmal sah es f\u00fcr kurze Zeit sogar aus, als ob wir um 19:00 Uhr am Abend auf 2400 Meter H\u00f6he festsitzen w\u00fcrden, weil der Motor f\u00fcr ein paar Minuten nicht mehr ansprang. Als wir es dann doch nach SESTRIERE runtergeschafft haben, war ich damals noch nie so gl\u00fccklich wieder auf Asphalt fahren zu k\u00f6nnen. Heute ist die Situation eine ganz andere: Was macht die ASSIETTA Kammstra\u00dfe so bemerkenswert? Sie ist eine Schotterstra\u00dfe weit oberhalb der Baumgrenze von 34 km L\u00e4nge und wurde lange vor dem 1. WK gebaut. Sie hat zwar eine offizielle, italienische Stra\u00dfennummer, SP173, wird aber nur wenig gewartet. Sie startet am COLLE DEL FINESTRE und geht entlang des Bergkammes vorbei an 5 Gipfeln: Die Stra\u00dfe bewegt sich konstant in H\u00f6hen oberhalb von 2000m. Ihre h\u00f6chste Stelle ist 2545m und die h\u00f6chste Steigung liegt bei ca. 15% in der N\u00e4he des MONTE GENEVRIS. Hier oben, wo sich die Vegetation auf nur noch einige wenige, besonders hartn\u00e4ckige Gr\u00e4ser reduziert, kann man abwechselnde Richtung rechts oder links mehr als 1,5 Kilometer ins Tal hinuntersehen. Manchmal sogar gleichzeitig. Ein unvergesslicher Anblick wie es ihn nur selten auf der Welt gibt. Unter Enduro Fahrern ist diese Stra\u00dfe legend\u00e4r. Das DENZEL-Rating der ASSIETTA ist 3 \u2013 4 wobei 4 bedeutet: \u201eWeit \u00fcberdurchschnittliche Fahrkenntnisse\u201c. Mara und ich fahren heute ohne Gep\u00e4ck und haben auch das Topcase so weit ausger\u00e4umt, dass nur noch das gesetzlich Notwendige drin ist sowie Werkzeug und Ersatzteile f\u00fcr eventuelle Pannen. Wir sind ergo leicht und schlank unterwegs. Nach einem ausgiebigen Fr\u00fchst\u00fcck geht\u2019s zun\u00e4chst \u00fcber die breite Stra\u00dfe des COL MONTGENEVRE hin\u00fcber nach ITALIEN. W\u00e4hrend der Fahrt kann Mara endlich Festung Nr. 4 und 5 rund um BRIANCON entdecken. Bei der \u00dcberquerung des MONTGENEVRE fahren wir durch den neuen Tunnel, weil ich um einen Augenblick zu sp\u00e4t die Abzweigung auf die alte Bundesstra\u00dfe verpasse. Schade \u2013 aber macht nix. Danach verirren wir uns gleich 2x. Zun\u00e4chst geraten wir irrt\u00fcmlicherweise auf die Autobahn nach BARDONCCHIA. Als wir von dort zur\u00fcck sind, gebe ich ins Navi als Zielort SESTRIERE ein woraufhin uns das Navi den Berg hinauf nach OULX f\u00fchrt. Sp\u00e4ter kann ich erkennen warum: Es gibt eine Schotterstra\u00dfe als Querverbindung zw. OULX und SESTRIERE. Wir fahren den Berg wieder hinunter und ich folge meiner Erinnerung. An einer Ausweiche bleiben wir stehen und orientieren uns nochmals auf der Karte, wobei wir erkennen, dass die Auffahrt zum FINESTRE noch dutzende Kilometer vor uns liegt. Da wir durch die Herumirrerei schon mind. 1 Stunde Zeit verloren haben wollen wir die Autobahn ins Zielgebiet nehmen. Mara lenkt mich (sie ist der Kapit\u00e4n!) aber nicht auf die mautpflichtige, schnelle Autobahn, sondern auf die Bundestra\u00dfe und so zockeln wir auf einer engen, sch\u00f6nen Stra\u00dfe mit wenig \u00dcberholm\u00f6glichkeiten ein wenig im Verkehr dahin bis wir endlich SUSA erreichen. Ich muss zugeben, dass ich da dann schon etwas Ungeduld in mir sp\u00fcrte. Endlich in SUSA sehen wir den Wegweiser hinauf zum COLLE DEL FINESTRE und eine Kurvenorgie der besonderen Art beginnt. Die untere H\u00e4lfte der Stra\u00dfe zur Passh\u00f6he ist asphaltiert, die obere eine ungepflegte Schotterstra\u00dfe mit z.T. tiefen Fahrrinnen und grobem Schotter. Die Stra\u00dfe ist kaum eine Autobreite breit und ich w\u00fcsste nicht, wie da 2 einander entgegenkommende Autos sich passieren k\u00f6nnten. Bei einer Fahrbahnbreite von lediglich 2,5 Meter haben ja schon 2 Motorr\u00e4der kaum Platz. Gl\u00fccklicherweise haben wir \u00fcberhaupt keinen Gegenverkehr und als weiter oben ein Auto vor uns von einem Parkplatz auf die Stra\u00dfe einbiegt l\u00e4sst es uns bald passieren. Die Spitzkehren sind so eng, dass ich beinahe den gesamten Lenkeinschlag benutzen muss, um die Kurve hinzukriegen. Mara ist voll bei der Sache und ich sp\u00fcre sie kaum. Tolle Beifahrerin! Als wir schon ca. \u00be der Passstra\u00dfe hinter uns haben, machen wir mal Pause und trinken etwas aus unseren Vorr\u00e4ten. Mein Puls ist bei 180, Mara erscheint sehr entspannt. Lange bevor man die Passh\u00f6he erreicht, kann man sie sehen und auch die spektakul\u00e4re Stra\u00dfenf\u00fchrung hinauf. Oben angekommen ist kaum Platz zum Parken, da viele Besucher von der anderen Seite her angefahren kommen. Interessanterweise ist die Stra\u00dfe hinauf zum Pass aufseiten SESTRIERE bis zur Passh\u00f6he sch\u00f6n asphaltiert. Wir g\u00f6nnen uns erstmal eine Pause und ich komme mit ein paar anderen Motorradfahrern ins Gespr\u00e4ch: Es sind Brasilianer auf gemieteten KTMs. BRASILIEN ist ein sehr flaches Land und ich bezweifle ob diese Leute die entsprechende Erfahrung haben und Richtung SUSA runterzufahren. Eine enge, steile Strecke hinunterzufahren ist sehr viel einfacher aus hinaufzufahren aber trotzdem. Eine Brasilianerin kann gut Englisch und \u00fcbersetzt f\u00fcr die restliche Gruppe. Ich gebe Infos so gut ich kann und warne sie vor den engen Kurven und dem groben Schotter. Sie sind trotzdem runtergefahren. Es w\u00e4re interessant zu wissen, wie es denen dabei ergangen ist. Ich selbst pr\u00e4pariere nun die SOL f\u00fcr das, was kommt denn der FINESTRE war sozusagen nur die Aufw\u00e4rmrunde: Ich packe also alles aus was ich wei\u00df um mich bestm\u00f6glich auf das, was kommt vorzubereiten. Als wir losfahren, wird sofort eine un\u00fcbersehbare, rote Warnung vom Bordcomputer eingeblendet, dass der Reifendruck gef\u00e4hrlich niedrig ist. Um sicher zu sein, dass es hier keine Folgeprobleme gibt, lasse ich mir ab sofort den Reifendruck anzeigen. Ich wei\u00df, dass die ASSIETTA insges. 34 km lang ist. Wir merken uns den Gesamtkilometerstand und k\u00f6nnen so dann errechnen, wie weit wir schon gekommen sind. Die ASSIETTA ist auf ihrer ganzen L\u00e4nge eine Schotterstra\u00dfe und der Anfang der ASSIETTA ist auch gut gepflegt. Wir k\u00f6nnen sogar einen abgestellten Bagger sehen, der daf\u00fcr verwendet wird. Sp\u00e4ter jedoch verwandelt sich die ASSIETTA in jenes Bachbett, welches ich noch von 2013 in Erinnerung habe. Manchmal verdient sie eigentlich gar nicht mehr \u201eStra\u00dfe\u201c genannt zu werden. Die SOL ist gro\u00dfartig. Wir tuckern den Berg hinauf und sind bald auf H\u00f6hen von weit \u00fcber 2000m. Nur ein paar Radfahrer und Wanderer regen sich auf, dass wir hier fahren. Das ist eine offizielle Stra\u00dfe also darf ich hier auch fahren \u2013 glaube ich zumindest. In einer Spitzkehre bleiben ein paar entgegenkommende Radfahrer in der Kehre stehen, um mir Platz zu machen um an ihnen vorbeifahren zu k\u00f6nnen. Fluchend schaffe ich das auch aber warum wissen die Leute nicht, dass der ung\u00fcnstigste Platz jemanden vorbeifahren zu lassen eben Spitzkehren sind, wo man jeden Zentimeter Platz braucht? Wenig sp\u00e4ter erfahren wir, warum sich alle so aufgeregt haben: Am COLLE ASSIETTA blockiert ein W\u00e4chter des Naturschutzparks die Stra\u00dfe und will meinen Ausweis sehen. Ich stehe aber derart ungl\u00fccklich, dass ich alles daransetzen muss, nicht mit dem Motorrad umzufallen. Ich versuche ergo klarzumachen, dass der Polizist alles kriegt, was er haben will, nur muss ich zuerst das Bike besser abstellen, denn da wo ich bin, geht das nicht. Der Polizist versteht das nicht und zieht kurzerhand meinen Z\u00fcndschl\u00fcssel ab. Erst als Mara ihm ihren Pass gibt ist er zufrieden, ich bekomme meinen Schl\u00fcssel zur\u00fcck und kann am ganzen K\u00f6rper zitternd vor Wut und Hilflosigkeit die SOL gut parken. Dann kann ich ohne Probleme in meine Tasche greifen und ihm Zulassung und F\u00fchrerschein \u00fcberreichen. Der Nationalparkw\u00e4chter teilt mir dann in gebrochenen Englisch und mit viel Handzeichen mit, dass die \u00fcbliche Reaktion anderer Motorradfahrer ist, einfach durchzustarten und zu verschwinden. Dass hat er mit dem Abzug des Schl\u00fcssels verhindern wollen. Er macht uns auch klar, dass an jedem Mittwoch und Samstag die ASSIETTA f\u00fcr den motorisierten Verkehr gesperrt ist. Heute ist Samstag. Mara und ich sind mittlerweile so aus der Zeit gefallen, dass wir nicht einmal den Wochentag wissen. Den erfahre ich erst auf Nachfragen. Neben uns steht ein anderes, italienische P\u00e4rchen, welches ebenfalls \u201eamtsbehandelt\u201c wird und irgendwann seine Fahrt fortsetzen darf. Ich kann beobachten, dass die beiden Nationalparkw\u00e4chter in ihrem Wagen eine gef\u00fchlte halbe Stunde mit meinen Ausweisen besch\u00e4ftigt sind. Hier heroben gibt es eine Handyverbindung. Was machen die die ganze Zeit? Mara und ich sehen uns die unglaublich sch\u00f6ne Umgebung an und genie\u00dfen die Sicht in die Ferne. An einem naheliegenden Hang k\u00f6nnen wir dutzende Ausg\u00e4nge von Murmeltierbauten erkennen. Schlie\u00dflich wird mir ein Strafmandat \u00fcber sage und schreibe 124 EUR ausgestellt, welches sofort zu bezahlen ist. Die Polizisten k\u00f6nnen nicht wechseln, weshalb Mara und ich aus 3 verschiedenen Geldb\u00f6rsen das Geld zusammenklauben m\u00fcssen, um den exakten Betrag zusammenzukratzen. Uns wird auch angeboten, dass einer von uns bis zum n\u00e4chsten Refugio fahren k\u00f6nnte, um dort Geld zu wechseln. Die Emotionen beruhigen sich irgendwann, wir bezahlen den Betrag, bekommen eine Best\u00e4tigung (das Strafmandat) und uns wird versichert, dass dies der Mindestbetrag sein w\u00fcrde. Der H\u00f6chstbetrag w\u00e4re 3x h\u00f6her. Dann k\u00f6nnen wir wie geplant weiterfahren. Sollten wir nochmals aufgehalten werden sollen wir das Strafmandat herzeigen und dann m\u00fcssen wir nicht nochmals zahlen. Ich finde es bemerkenswert, dass wir nicht gezwungen werden umzudrehen. Das w\u00e4re die von Mara und mir erwartete Reaktion von Polizisten in \u00d6sterreich. Angeblich g\u00e4be es bei der Auffahrt auf die ASSIETTA beim COLLE FINESTRE ein Schild, das die Fahrverbotstage anzeigen w\u00fcrde. Wir sind uns sicher, dass es dort so ein Schild nicht gibt. Sp\u00e4ter dann kann ich auf GOOGLE-STREETVIEW erkennen, dass es dieses Hinweisschild doch gibt \u2013 aber nur auf Italienisch und diese Sprache beherrschen wir einfach nicht, weshalb wir es auch \u00fcbersehen haben. Die Polizisten selbst sind aus SESTRIERE und tats\u00e4chlich: nahe SESTRIERE k\u00f6nnen wir sp\u00e4ter ein entsprechendes Hinweisschild in 4 Sprachen, darunter auch Englisch und Deutsch sehen. Mara und ich versuchen die 124 EUR als eine Art Maut geistig zu verbuchen und setzen unsere Reise fort. Die Stra\u00dfe windet sich durch die Berge und es gibt viele un\u00fcbersichtliche Kurven. Eine Stelle ist wieder so eine un\u00fcbersichtliche Kurve und ich erwarte eigentlich nur eine Art Knick in der Stra\u00dfe. Die Kurve um die Felsnase hat jedoch mehr als 90 Grad und ich bin mit einen 20 \u2013 25 km\/h schon fast zu schnell. Ich kann die Situation aber routiniert bereinigen und wir fahren unger\u00fchrt weiter. Wenig sp\u00e4ter laufen mir Schauer \u00fcber den R\u00fccken. Wenn ich das nicht geschafft h\u00e4tte, w\u00e4ren wir tief abgest\u00fcrzt und h\u00e4tten u.U. die Fahrt nicht \u00fcberlebt. Das Drehmoment der SOL ist unfassbar. Nur kurze, kleine Bewegungen des rechten Handgelenks und der Motor zieht uns \u00fcberall heraus. Die Federung ist so gut, dass wir selbst die gr\u00f6bsten \u201aSteine und Felsstufen bequem \u00fcberwinden k\u00f6nnen, ohne viel in unserer Kehrseite zu sp\u00fcren. Hier zeigt sich, dass die SOL zu den besten Motorr\u00e4dern der Welt geh\u00f6rt. Ich bin ungeheuer stolz darauf sowas ebenfalls zu besitzen. Die ganze Fahrt hindurch bin ich so konzentriert, dass ich von der Umgebung fast nichts mitbekomme. Dies ist das Privileg von Mara. Wir kommen schlie\u00dflich an einen geschlossenen Schranken und k\u00f6nnen nicht weiter. Mara, kann aber, jetzt da die SOL keine Seitenkoffer hat, absteigen, w\u00e4hrend ich noch auf der SOL sitzend das Motorrad stabil halte, den Schranken \u00f6ffnen. Dahinter machen wir Pause und k\u00f6nnen das Verbotsschild auf Seiten SESTRIERE sehen. Eine Gruppe von Radfahrern kommt vorbei und wir kommen mit denen ins Gespr\u00e4ch. Ich entschuldige mich daf\u00fcr, dass ich heute hier mit einem Motorrad unterwegs bin und ernte Verst\u00e4ndnis. Einer der Radfahrer zeigt und dann am weit entfernten Horizont einen Bergeinschnitt. Man muss genau hinsehen, sonst sieht man ihn nicht: Das ist der COLLE FINESTRE, wo wir gerade herkommen. Wow, ist das weit entfernt! Da wir uns an einer Stra\u00dfenkreuzung befinden wissen wir nicht wie es weitergeht aber wir erfahren in welche Richtung wir weiterfahren m\u00fcssen. Danach geht es rasch abw\u00e4rts und wir finden uns auf der Asphaltstra\u00dfe in SESTRIERE wieder. Ich bin ganz euphorisch: Wir haben gemeinsam die ASSIETTA ohne Sturz, Umfaller oder sonstigen Fahrproblemen meistern k\u00f6nnen. Die SOL hat keinen Kratzer abbekommen und Mara ist die beste Beifahrerin, die man sich w\u00fcnschen kann. Wir fahren dann noch 1 \u2013 2 km weiter auf einen Parkplatz, pumpen die Reifen wieder auf und fahren dann in den Ortskern von SESTRIERE, wo wir uns einen Nachmittagskaffee g\u00f6nnen. 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